"Fahrrad fahren ist und bleibt meine Lebensbewegung"

"Fahrrad fahren ist und bleibt meine Lebensbewegung"

"Fahrrad fahren ist und bleibt meine Lebensbewegung"

# Aktuelles

"Fahrrad fahren ist und bleibt meine Lebensbewegung"

Schöneberg - diese Region ist für Michael Volz seit 50 Jahren beruflich wie privat seine Lebensmitte. Bevor er am 16. Januar aus dem Berufsleben im Kirchenkreis verabschiedet wird, gibt er Ein- und Ausblicke.  

 „Siehe ich mache alles neu“, steht als Jahreslosung für 2026. Michael, wie neu wird Dein Leben im Jahr 2026?

Ja, auf mich kommt Neues zu, ich gehe in den Ruhestand. Meine Arbeit hat mich zeitlich und mental sehr in Anspruch genommen. Das hat nun ein Ende und meine Frau Sandra, meine Familie und die Freundschaften bekommen jetzt mehr Zeit. Auch die Frage, was meiner Gesundheit gut tut, beschäftigt mich und dafür möchte ich mir in Zukunft mehr Zeit und Kraft einräumen. Unser Garten ist weiter ein Lebenselixier für mich und das Fahrradfahren ist und bleibt meine Lebensbewegung. Ich werde mit Freude weiter meine Berliner Runden drehen und mir gelegentlich schöne Fahrten aufs Land gönnen.    

Wie schwer fällt es Dir, das klassische Berufsleben aufzugeben?

Ich glaube nicht so schwer, denn Kirche war, ist und bleibt mein Bezugssystem. Ich bleibe ihr als Privatier und im Ehrenamt verbunden, zum Beispiel in meiner Heimatgemeinde „Zum Guten Hirten“. Als Jugendleiter und Lektor war ich dort schon früh ehrenamtlich tätig und der Gemeinde sehr verbunden. Später konnte ich dort mit einem Job in der Seniorenarbeit Erfahrungen in der Gemeindearbeit sammeln und mein Studium finanzieren. Und schließlich fand ich dort und in der Friedenauer Nachbargemeinde Nathanael meinen beruflichen Einstieg in der Arbeit mit Jugendlichen. Über Gemeindegrenzen und unterschiedliche Jugendarbeitskonzeptionen hinweg gelang dabei gute Zusammenarbeit. 

Einen noch weiteren Blick konnte ich gewinnen, als ich vor zwölf Jahren die Arbeitsstelle für Ökumene und Ehrenamt im Kirchenkreis übernehmen durfte. So lernte ich die Gemeinden in unserem Kirchenkreis, Gemeinden unterschiedlicher Konfessionen im Bezirk, Gremien der Landeskirche und Partner des Kirchenkreises in Südafrika und Tansania kennen. Und wo ich auch war, ich erkannte in ihrer großen Vielfalt den Reichtum der Kirche. Sich zusammenzutun, Ressourcen und Ideen zu teilen und damit gemeinsam kraftvolle Projekte zu realisieren, dafür habe ich mich gerne eingesetzt. Den weiten Blick und das Wissen, was alles möglich ist, nehme ich mit, wenn ich mich hier und dort noch ehrenamtlich in unserer Kirche engagiere.  

Gibt es ganz besondere berufliche Momente, an die Du Dich gerne erinnerst?

Da gibt es sicher einige. Aber der Ökumenische Pfingstmontagsgottesdienst ist ein gutes Beispiel dafür, was entsteht, wenn wir unsere Kräfte bündeln. Seit 2004 gibt es diesen Gottesdienst vor dem Rathaus Schöneberg schon. Bis zu 16 Gemeinden – evangelische, katholische, orthodoxe und freikirchliche – sind an ihm beteiligt. Und selbst in der Coronazeit fand er großen Anklang, als er „nur“ digital stattfinden konnte. 

Er hat auch Politikerinnen und Politiker „Kirche“ näher gebracht. Schon seit einigen Jahren übernehmen Bezirksbürgermeisterin und Bezirksbürgermeister die Schirmherrschaft des Gottesdienstes. Für diese Erfahrung von Vielfalt und guter Zusammenarbeit bin ich sehr dankbar. Ich bin mir sicher, dass der Pfingstmontagsgottesdienst auch nach meinem Wechsel mit neuen Impulsen ein lebendiges Zeichen für die Kirche in der Stadt bleibt und den Menschen Hoffnung gibt.

Was hat Dir Kraft gegeben?

Teamarbeit ist großartig. Unterschiedliche Leute mit verschiedenen Perspektiven und Gaben entwickeln und realisieren ein Projekt, wozu so keiner je für sich in der Lage wäre. Bei offenem, respektvollem und wertschätzendem Umgang entsteht viel positive Energie. Das habe ich so erfahren bei unserem Projekt „Stark im Ehrenamt“. Hier haben wir, Kolleg:innen unterschiedlicher Arbeitsstellen, Menschen ganzheitlich stark gemacht fürs Ehrenamt. Das war ganz wunderbar. Nicht vergessen werde ich auch die Entwicklung und Durchführung der Ehrenamtsevaluation im Kirchenkreis mit dem Konvent der Ehrenamtsbeauftragten. Ein Experiment, das in gutem Miteinander gelingen konnte.

Welches Resümee ziehst du am Ende Deines Berufslebens?

Ich bin zufrieden darüber, wohin mich mein Weg geführt hat. Ich glaube, dass ich gut mit Menschen in Kontakt gekommen bin. Das hat mir bei meiner Arbeit immer geholfen. Und so bin ich dankbar für die tollen Menschen, mit denen ich beruflich und ehrenamtlich zusammen arbeiten und tolle Projekte realisieren konnte. Ich fühle mich beschenkt durch meine Ausbildung zum Gemeindeberater. Dadurch habe ich einen neuen Blick auf meine eigene und allgemein kirchliche Arbeit bekommen und mein Verständnis von Kirche weiterentwickeln können.

Was gibt Dir Hoffnung? 

Durch meine Arbeit habe ich viel Potenzial in evangelischen und anderen konfessionellen Gemeinden, bei beruflichen und ehrenamtlichen Mitarbeitenden wahrnehmen können. Es gibt schon gute und ermutigende Beispiele von Aufbrüchen und grenzüberschreitender Kooperation. Ich hoffe, dass viel Zukunft möglich ist, wenn wir nicht nur die gewohnte Kirche im Dorf sondern auch die neue Kirche in der Stadt denken.   

Michael Volz wird am 16. Januar, um 15 Uhr im Kirchsaal des Margarete-Draeger-Hauses verabschiedet. Die Verabschiedung ist offen für alle. 

Dies könnte Sie auch interessieren

0
Feed