Praktisch, gesund, kostengünstig und abgasfrei - Radfahren für die Schöpfung!

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Praktisch, gesund, kostengünstig und abgasfrei - Radfahren für die Schöpfung!

Miro Dahm ist GKR-Mitglied in der Paulus-Kirchengemeinde Tempelhof. Im Bezirk engagiert sie sich für die Fahrradinfrastruktur. Hier spricht sie über ihre Motivation. 

Miro, was bedeutet Fahrradfahren für dich?

Oh, soviel! Radfahren ist einfach super praktisch: Ich komme überall hin. Ich muss mir nicht mehr meine Beine in den Bauch stehen, wenn ich auf verspätete und überfüllte Öffis warte. Und auch die Schlepperei von Einkäufen hat ein Ende, denn mein Rad trägt ja das Gewicht für mich. Gleichzeitig ist es die einfachste Möglichkeit, Bewegung in meinen Tag zu bringen. Gehen ist für mich seit einigen Jahren etwas beschwerlich. Aber ich fühle mich kaum eingeschränkt, da ich ja das Rad habe.

All diese Vorzüge machen das Radfahren nicht nur für mich, sondern für immer mehr Menschen attraktiv, zunehmend auch für Senior*innen. Umso bedauerlicher finde ich, das Radfahren auf vielen Strecken weiterhin so gefährlich ist. Als meine Kinder klein waren, habe ich angefangen, mich für sichere Radwege zu engagieren. Etwa bei der Organisation von Kidical Masses. Neuerdings organisiere ich die Senior Mass mit.

Ich kenne Critical und Kidical Mass. Senior Mass musst du mir erklären.

Auf der Senior Mass fahren Senior*innen (und diejenigen, die es später mal werden möchten) gemeinsam durch die Stadt. Aber zur Abwechslung mal entspannter und mit mehr Platz, denn es wird auf der Straße gefahren, und zwar ganz ohne vorbeirauschende Autos oder LKWs. Es ist ein geselliges Event - und gleichzeitig gibt es ein wichtiges Anliegen: nämlich sichtbar zu machen, dass viele Menschen bis ins hohe Alter radfahren möchten - oder auch schlicht darauf angewiesen sind - um ihre täglichen Wege zu bewältigen. Dabei fällt auf, dass immer mehr Menschen im Alter auf drei Räder umsteigen. Auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen profitieren von breiten geschützten Radwegen, die sie mit dem elektrischen Rollstuhl oder dem Handbike nutzen können.

Seit Ende 2025 bist du GKR-Mitglied in der Paulus-Kirchengemeinde Tempelhof. Was hat den Anstoß gegeben, dass du letztes Jahr für den Gemeindekirchenrat kandidiert hast?

Berlin ist mein Zuhause, aber die Kirche eben auch. Viele Menschen leben heutzutage in ihren Blasen. In der Kirche aber kommen unterschiedlichste Menschen zusammen. Insbesondere in diesen Zeiten ist die Kirche darum ein wichtiger Ort der Begegnung, hier im städtischen TS und, mehr als je zuvor, auch im ländlichen Raum. Aber die Kirche lebt eben auch vom Mitmachen. Darum bin ich dabei.

Wie verbindet sich dein Engagement für die Verkehrswende mit deinem Engagement für die evangelische Kirche?

Ein roter Faden ist hier definitiv mein tief empfundenes Bedürfnis, mich für die Bewahrung Gottes wunderbarer Schöpfung einzusetzen. Nur wenn es dem vielfältigen Leben auf unserem Planeten gutgeht, kann es uns Menschen gutgehen. Hier bei uns aber insbesondere auch in den Ländern des Südens. Wie unbedacht nachlässig oder auch wie gezielt ausbeuterisch wir Menschen mit dem Planeten umgehen, daran kann man verzweifeln. Umso wichtiger finde ich es, sich mit anderen Menschen zusammen zu tun und Dinge im Kleinen zu verbessern. So habe ich etwa die Senior*innen der ökumenischen Umweltgruppe Lichtenrade kennengelernt. Es fühlt sich gut an, gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

Wie sieht es denn in Paulus aus? Welche Impulse zu mehr Nachhaltigkeit gibt es schon in der Gemeinde und welche möchtest du setzen?

Eine AG Nachhaltigkeit oder Fairness haben wir noch nicht, aber sie steht schon auf der GKR Tagesordnung. Tatsächlich sehe ich soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit als wichtige Querschnittsaufgabe - also dass bei jeder Entscheidung diese Aspekte grundsätzlich mitberücksichtigt werden sollten. 

Was wir schon machen? Zwei Dinge fallen mir spontan ein: Da ist zum einen die wöchentlich stattfindende Lebensmittelausgabe Laib und Seele mit geretteten Lebensmitteln für Bedürftige. Und da ist zum anderen das Lastenrad, mit dem etwa unserer Hausmeister Erledigungen im Kiez macht. Womit wir wieder beim Fahrrad als praktischen, gesunden, kostengünstigen und abgasfreien Mobilitätsmittel wären.

Danke, liebe Ulrike, für dieses Interview und das Interesse. Und richte bitte gern auch meinen Dank an das ganze Team in der Götzstraße aus, die die Herausgabe des Lastenrad von fLotte organisieren.

Das mache ich gern! Dank dir für das Gespräch! 

(Das Interview führte Ulrike Biskup, die Miro Dahm das erste Mal traf, als sie sich das fLotte-Lastenrad "Marie" auf dem Campus des Kirchenkreises auslieh.)


Tipps zum Interview:

  • 4. Lichtenrader Radlerfest der ökumenischen Umweltgruppe Lichtenrade am 14. Juni ab 15 Uhr im Gemeindepark im Domstift. Weitere Infos zur ökumenischen Umweltgruppe Lichtenrade
  • Senior Mass am 20. Juni von 13 bis 15 Uhr, Start und Ziel: Yorckstraße Ecke Katzlerstraße in 10829 Berlin
  • Termine für Kidical Masses findet man auf www.kinderaufsrad.org
  • das Lastenrad auf dem Campus des Kirchenkreises kann man kostenlos auf www.flotte.berlin leihen

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