Mein Leben ähnelt einer Baustelle.

Mein Leben ähnelt einer Baustelle.

Mein Leben ähnelt einer Baustelle.

# Seelsorge Berlin

Mein Leben ähnelt einer Baustelle.

Seelsorger Alexander Höner berät bei Seelsorge.Berlin und erkundet als "Theologie der Stadt" Pfarrer Lebensgefühl, Religion und Einsamkeit der Großstadt. 

Alexander, wann hast du Dich das letzte Mal in Berlin einsam gefühlt?

„Du als Pfarrer fühlst dich doch bestimmt nie einsam“ - das hat mir mal jemand gesagt. Aber das stimmt nicht. Nur weil Menschen um einen herum sind, ist das keine Voraussetzung, sich nicht einsam zu fühlen. In Berlin ist das genauso: viele Menschen leben hier und viele fühlen sich einsam. Zurück zur Frage: Als ich kürzlich allein an einem Tisch in einem vollen Restaurant aß, da habe ich mich das letzte Mal einsam gefühlt.

Du bist als Seelsorger in dem Netzwerk Seelsorge.Berlin dabei. Welche Rolle spielt für Dich das Tempelhofer Feld als „Beratungsraum“?

Das Tempelhofer Feld ist für mich ein schöner Ort, wo sich in Berlin Himmel und Erde treffen. Ein Ort, wo der Blick weit schweifen kann und man merkt: es gibt mehr als nur Häuserschluchten. Außerdem finde ich es gut, ernsthafte Gespräche im Gehen zu führen. Das nimmt manchmal die Angst vor dem Gespräch: man geht nebeneinanderher und muss sich nicht ständig in die Augen schauen. 

In einem Raum fühlt man sich manchmal auch beengt. Das Tempelhofer Feld lädt ein, nebeneinanderher zu gehen und das Leben miteinander zu teilen. Die Startbahn einmal hoch und die Landebahn wieder runter.

Was ist Dir in der Beratung besonders wichtig?

Besonders wichtig ist mir, keine fertigen Antworten zu haben. Das ist ja ein Klischee, dass die Menschen, die glauben, keine Fragen mehr haben, alles beantwortet ist, sie sich geborgen fühlen, auf Gott vertrauen und viel leichter durchs Leben gehen. Das ist aber nicht so. Wir haben auch Fragen.

Mir ist es besonders wichtig, den Menschen zuzuhören, Dingen, die sie mit mir teilen, auszuhalten und ihnen vielleicht trotzdem mitzugeben - auch wenn das Leben gerade kaputt geht oder zerstört wird -, dass es eine Kraft gibt, die einen hält, dass man in dem ganzen Kuddelmuddel nicht allein ist.

Manche sagen: „Berlin ist eine Baustelle“ – wie lebt es sich in dieser unfertigen Stadt?

Ja, mein Leben ähnelt auch einer Baustelle. Nie fertig, immer Veränderungen. Das ist aufregend und schön. Aber manchmal spüre ich die Sehnsucht nach einem anderen Ort, der mehr Sicherheit gibt. Ein Ort, der nicht alles in Frage stellt oder an den ich mich nicht ständig anpassen muss. Diese Sehnsucht höre ich auch häufig bei meinen Klientinnen und Klienten.

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