21/10/2026 0 Kommentare
"Für ein humanes, menschliches und christliches Miteinander" - Interview mit Jörg Freudenberg
"Für ein humanes, menschliches und christliches Miteinander" - Interview mit Jörg Freudenberg
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"Für ein humanes, menschliches und christliches Miteinander" - Interview mit Jörg Freudenberg
Die Evangelische Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde bekommt ein Nagelkreuz verliehen und wird Mitglied der internationalen Nagelkreuzgemeinschaft. Die treibenden Kräfte hinter diesem Prozess waren Jörg Freudenberg und Bernd Muskat. Wir haben Jörg Freudenberg zum Nagelkreuzgedanken befragt.
Was hat Sie zuerst motiviert, eine Mitgliedschaft Ihrer Gemeinde in der Nagelkreuzgemeinschaft in den Blick zu nehmen?
Es waren zwei Motive für mich persönlich. Das eine kommt aus der Geschichte der Gemeinde heraus: Unser damaliger Pfarrer Adolf Kurtz war mit England sehr, sehr eng verbunden. Es gibt sogar ein offizielles Präsidialamtfoto, auf dem besagter Pfarrer neben dem ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss in der Kathedrale von Coventry steht, da besteht also ganz, ganz viel Kirchengeschichte in der Gemeinde. Daher hat es mich verwundert, dass wir noch nicht Mitglied dieser Gemeinschaft sind. Und zum anderen praktizieren wir als Gemeinde die Versöhnungsarbeit schon über Jahrzehnte. Ich glaube, es ist wichtig, dass so eine Arbeit nicht nur von einem oder zwei gestützt wird, das würde schnell im Sande verlaufen. Viele verschiedene Menschen tragen hier den Versöhnungsgedanken auf unterschiedliche Art und Weise.
Was bedeutet das Nagelkreuzes für Sie persönlich.
Wie soll ich es beschreiben? Es ist schon faszinierend, wie der Gedanke entstanden ist, aus der Asche der altehrwürdigen Kathedrale die Nägel zu einem Kreuz zu formen. Und in den dunkelsten, menschenverachtendsten Momenten, was der Blitzangriff der deutschen Luftwaffe ja war, liegt die Geburtsstunde von Frieden und Versöhnung. Der Gedanke, dass aus dem tiefsten Dunkel so etwas Widersprüchliches entstehen konnte, ist für mich immer noch ein Wunder.
Sie sind dann auf die sogenannte „pilgrimage“, also die obligatorische Pilgerreise zum Kennenlernen der Nagelkreuzgemeinschaft, nach Coventry gegangen. Was hat Sie dort am meisten beeindruckt?
Das Nagelkreuz ist mehr als nur Symbolik, es birgt ein besonderes Geheimnis, was in ihm innewohnt. Und genau diese Kraft ist in Coventry zu spüren. Das hat mich am meisten beeindruckt. Die zwei Gebäude - es sind ja letztendlich zwei Kathedralen, die Ruine und daneben die neue - und beides in Symphonie, das hat schon was Besonderes. Und die Menschen, die dort arbeiten, guten Willens und mit dem Gedanken, Krieg kann kein Mittel sein zur Auseinandersetzung. Das spürt man dort.
Denken Sie, der Versöhnungsgedanke von Richard Howard hat sich in einem zunehmend vereinten Europa bereits stabil durchgesetzt? Oder hat sein Ansinnen in einer zerstritten Welt 2026 mehr Dringlichkeit denn je?
Ich glaube, in diesen Zeiten, in denen wir uns befinden, also in Europa, aber auch auf der ganzen Welt, ist der Versöhnungsgedanke von Richard Howard aktueller denn je. Ich meine nicht nur die kriegerischen Auseinandersetzungen, sondern auch die gesellschaftlichen. Die Fronten verhärten sich ja, egal bei welchem Thema. Da braucht es Wege und Plattformen, um aufeinander zuzukommen und im Dialog zu bleiben. Und das will ja auch das Versöhnungszentrum leisten. Und ja, es soll auch andere Wege aufzeigen, wie ein Miteinander, ein humanes, menschliches, christliches Miteinander sein kann und sein sollte.
Werden in der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde auch Nagelkreuzandachten stattfinden?
Wir werden Versöhnungsandachten feiern, einmal im Monat an einem Donnerstag; zum Gedenken und um Hoffnung auf Versöhnung geben.
Planen Sie eine Zusammenarbeit mit dem anderen Nagelkreuzzentrum in unserem Kirchenkreis in der Martin-Luther-Gedächtniskirche?
Natürlich hat es bereits Absprachen mit dem Nagelkreuzzentrum in Mariendorf gegeben. Netzwerke miteinander zu knüpfen ist Teil der Nagelkreuz-Gemeinschaft, sie ist sozusagen wie eine große Familie. Und da man muss nicht alles neu erfinden, sondern kann im Geiste der Gemeinschaft zum Wohle des Versöhnungsgedanken miteinander arbeiten.
Am 29. Oktober findet die feierliche Überreichung des Nagelkreuzes im Gottesdienst statt. Was können wir in dem Gottesdienst erwarten?
Ich glaube, dass ein Hauch des Versöhnungsgedankens von Coventry rüberkommen wird. Davon geht schon eine große Kraft aus. Versöhnung ist stärker als Hass, nicht als Freibrief zu verstehen, sondern im Bewusstsein von Verantwortung.
Wenn der Festgottesdienst diesen doch so besonderen Versöhnungsgedanken von Coventry hinterlässt und die Menschen hoffnungsvoll wieder nach Hause gehen, dann, glaube ich, haben wir an diesem Abend schon viel geleistet.
Möchten Sie uns noch etwas mit auf den Weg geben?
Nochmals an dieser Stelle, liebe Leserinnen und Leser: kommen Sie am 29.10. um 19 Uhr in die Zwölf-Apostel-Kirche im Schöneberger Norden an der Kurfürstenstraße und besuchen sie unseren Gottesdienst. Herzliche Einladung und herzliche Segensgrüße in die Welt hinaus.
Gottesdienst zur Nagelkreuzverleihung am 29. Oktober, 19 Uhr
Zwölf-Apostel-Kirche
An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin
Das Interview führte Ulrike Biskup.
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