Erntedank: Foodsharing rettet Lebensmittel

Erntedank: Foodsharing rettet Lebensmittel

Erntedank: Foodsharing rettet Lebensmittel

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Erntedank: Foodsharing rettet Lebensmittel

Sie holen Lebensmittel aus Supermärkten und Bäckereien - die Berliner Lebensmittelretter*innen. Was sie bekommen, bringen sie zu Wohnheimen, verteilen sie auf der Straße, in der Nachbarschaft oder in sogenannten Fairteilern, also öffentlichen Kühlschränken. 18.000 Menschen beteiligen sich in Berlin daran, Lebensmittel zu retten. Cornelia B.* lebt in Tempelhof und ist eine von ihnen. Wie Foodsharing funktioniert und was sie bewegt, Lebensmittel zu retten, erzählt sie im Interview.

Cornelia B.* Du bist beim Foodsharing dabei, einer deutschlandweiten Initiative, die übrig gebliebene Lebensmittel rettet. Wie kommen die Lebensmittel zu Dir?

Ich bekomme Lebensmittel aus Supermärkten, von Bäckereien und von überall her, wo Lebensmittel übrigbleiben. Foodsharing bedeutet feste Kooperationen mit Unternehmen zu haben. Entweder sagen sie Bescheid sagen, wenn etwas übrigbleibt, was nicht mehr verkauft wird, aber meist sind feste Zeiten vereinbart.
Ich fahre dann zu den Unternehmen, sortiere die Lebensmittel und lade das, was noch gut verwendet werden kann, auf das Lastenrad. Oft arbeiten wir als Gruppe zusammen. Dann verteile ich die Lebensmittel, oft auf der Straße, allerdings nicht in der Nähe der mit uns kooperierenden Märkte.

Wie reagieren Menschen darauf, wenn ihnen auf der Straße kostenfreie Lebensmittel angeboten werden?

Unterschiedlich. Manche Menschen vermuten, die Sache habe einen Haken, andere sagen, sie haben keine Verpackung dabei und könnten deshalb nichts mitnehmen. Häufig sagen aber auch Menschen, sie seien nicht bedürftig. Dann antworte ich: „Ja, aber das Brot ist bedürftig, es würde sonst weggeworfen“.
Kürzlich schaute ein etwa zehnjähriger Junge im mein Lastenrad, sah das Brot und meinte: „Das ist doch total gut.“ und verstand nicht, warum es übbrigblieb. Spontan sagte der Junge aber auch, daß er ein Brot vom Vortag in einer Bäckerei nicht mehr kaufen würde. Ich mußte bei seiner eigenen Erkenntnis schmunzeln. Gespräche darüber, wie wir achtsam mit unseren Ressourcen umgehen können und wie viele Lebensmittel in privaten Haushalten weggeworfen werden, ist auch eine Form von Bildungsarbeit. Diese Bildung gebe ich gern an Erwachsene wie Kinder weiter.

Wie oft verteilst Du Lebensmittel und wie bist Du zu Foodsharing gekommen?

Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt Tage, an denen ich mehrmals unterwegs bin, um etwas zu holen und zu verteilen. Manchmal habe ich aber auch eine Woche lang keine Abholung.
Wie ich dazu kam? Ich koche sehr gerne und hab auch schon früher für 120 Gäste gekocht. Mein Traum war immer, beim Kochen aus dem vollen Schöpfen zu können. Aber das ist finanziell für mich nicht möglich. Bei Freunden kam ich mit Foodsharing in Berührung und die Idee hat mir sehr gut gefallen. Innerhalb von drei Tagen habe ich die Probeabholung und den Wissenstransfer zu Hygieneregeln absolviert und seit elf Jahren bin ich nun als Lebensmittelretterin unterwegs, zuerst in Wedding, schließlich in Moabit und nun, nach meinem Umzug, in Tempelhof.

Was motiviert Dich heute?

Die Menschen haben keine Vorstellung davon, wie viele Lebensmittel verschwendet werden. 75 Kilogramm pro Person werden pro Jahr in privaten Haushalten weggeworfen, aber eben auch viel in der ganzen Kette bevor die Lebensmittel überhaupt dort landen und das finde ich schade. Foodsharing ist für mich eine nachhaltige Sache: Ich bringe noch brauchbare Lebensmittel wieder in den Kreislauf.
Freude macht auch das Verschenken von Blumen, die der Supermarkt nicht mehr verkauft, auf beiden Seiten. Gerade auch ältere Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind und deshalb nicht zu Laib und Seele gehen können, freuen sich sehr, wenn ich bei Ihnen etwas vorbeibringe.
Dafür setze ich gerne meine Kraft und Lebenszeit ein, auch wenn Foodsharing für mich viel Arbeit bedeutet. 

Habt Ihr beim Foodsharing auch die Berliner Tafel „Laib und Seele“ im Blick?

Ja klar, wir sind keine Konkurenz. Wenn die Lebensmittel von den dortigen Ehrenamtlichen abgeholt und noch verteilt werden können,  haben sie Vorrang. Vereinzelt bringen wir auch selbst Gerettetes direkt zu den Ausgabestellen. Viele - auch ich - bringen Lebensmittel zu Flüchtlingsunterkünften und Obdachlosenheimen. 

Foodsharing in Tempelhof-Schöneberg
Die Ökumenische Umweltgruppe Lichtenrade betreibt einen Foodsharing-Fairteiler in Berlin-Lichtenrade. Kostenlos können Brot, Brötchen, Gemüse und Obst abgegeben oder entnommen werden. Dort sind Lebensmittel eingestellt, die keine Kühlkette benötigen.

Katholische Gemeinde, Pfarrer-Lütkehaus-Platz 1, 12307 Berlin, an der Rückseite der Kirche an der Briesingstraße, steht der Schrank und ist 24/7 zugänglich.

Das Inteview führte Cornelia Schwerin.
*Der vollständige Name der Foodsharerin ist der Redaktion bekannt.

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