Abschied von einem Jahrzehnt MAV-Leben: Dajana Nevi-Sönksen im Interview

Abschied von einem Jahrzehnt MAV-Leben: Dajana Nevi-Sönksen im Interview

Abschied von einem Jahrzehnt MAV-Leben: Dajana Nevi-Sönksen im Interview

# Aktuelles

Abschied von einem Jahrzehnt MAV-Leben: Dajana Nevi-Sönksen im Interview

Räume fürs Gespräch öffnen, das war Dajana Nevi-Sönksen als MAV-Vorsitzende immer wichtig. Ein Interview über Lebenserfahrungen, Teamgeist und Veränderungen.  

Dajana, Du kommst aus Berlin-Marzahn, richtig?

Ja, Berlin-Marzahn ist meine Heimat, dort bin ich im Plattenbau ausgewachsen - das werde ich nicht verstecken. Zwischen Marzahn und Biesdorf lag meine Heimatgemeinde, die mir Antworten gab, als ich diese suchte. Überfordert von meinen Fragen zum Tod meiner Oma erinnerte sich mein Vater an seine eigene kirchliche Sozialisation und brachte mich in die Kirchengemeinde. Dort hat sich eine Pfarrerin Zeit genommen für meine Fragen, aber auch für uns Kinder und Jugendliche, die mitten in den Wirren der Wendezeit steckten. Letztlich hat mich die Jugendmitarbeiterin motiviert Gemeindepädagogik zu studieren.

Wie ging dein Weg weiter?

Nach der Schule studierte ich Gemeindepädagogik und wollte Pfarrerin werden. Am Ende des Vikariats entschied ich mich, den Weg ins Pfarramt nicht zu gehen. Zunächst arbeitete ich in der Ernst-Moritz-Arndt Gemeinde die heute Emmaus heißt und in der Zehlendorfer Kirchengemeinde in Dahlem in der kooperativen Jugendarbeit. Anschließend machte einen kurzen Abstecher nach Britz, bevor ich 2012 in Schöneberg als Jugendmitarbeiterin anfing. Seit 2013 war ich in der Mitarbeiter*innenvertretung Schöneberg und 2014 wurde ich zu deren Vorsitzenden gewählt. 2016 wurde ich dann Vorsitzende der gemeinsamen Mitarbeiter*innenvertretung in Tempelhof-Schöneberg.

Was war und ist Dir wichtig in der Mitarbeiter*innenvertretung, kurz MAV?

Wichtig war mir immer, Menschen zu hören, bevor Sanktionen ausgesprochen werden. Das miteinander reden und verstehen bekommt heute immer größeres Gewicht. Dazu habe habe zwei Fragen an uns: Was können wir als Kirche leisten? Und was brauchen Menschen von Kirche? Ich beobachte einen Unterschied, wie Kirche von außen wahrgenommen wird und wir sie von innen sehen. Es ist ein großer Schatz, wie evangelische Kirche in der Gesellschaft immer noch geachtet wird – nach allem, was über die beiden großen Kirchen in den vergangenen Jahren bekannt geworden ist.

Welche Dinge machen die MAV-Arbeit für Dich so spannend?

In der Mitarbeiter*innenvertretung habe ich viele unterschiedliche Jobs kennengelernt und erlebt, was Mitarbeitende in Kitas und auf Friedhöfen alles leisten müssen. Wenn Mitarbeitende dann in mein Büro kamen, ihre Sorgen schilderten und sehr dankbar darüber waren, sprechen zu können, fragte ich mich oft: Wo haben wir Räume, um ins Gespräch zu kommen?

Als MAV habt ihr ja auch mit Kündigungen und mit Gesetzestexten  zu tun. Welche Erfahrungen haben Dich dabei geprägt?

Ich freue mich darüber, dass die meisten Kündigungen, die in dem letzten Jahrzehnt vorlagen, wieder zurück genommen wurden, weil man wieder miteinander gesprochen hat. Früher hatte ich kein Verhältnis zu Paragrafen und dem Wissen über Gesetzestexte. Durch Gespräche mit einem Arbeitsrechtler und die Frage, wie sich diese Paragrafen auslegen lassen, habe ich entdeckt, dass diese durchaus zum Leben passen können und einen guten Rahmen geben.

Du bist Mediatorin, hast eine Mediationsausbildung absolviert und arbeitest schon einige Zeit in diesem Beruf. Welche Auswirkungen hat das für Dich und Deine MAV-Arbeit gehabt?

Ich nenne mal nur zwei Auswirkungen. Die erste: Die Lösung liegt immer in den Beteiligten des Konflikts. Und für solche Gespräche braucht es einen Raum, in dem über Gefühle und Bedürfnisse gesprochen wird. Es braucht so einen wertschätzenden und vertrauensvollen Raum, um zu sprechen, zu hören und miteinander zu wachsen. Die MAV kann so ein Raum sein.

Das andere Thema ist das Gefühl „Wut“ und ein konstruktiver Umgang damit. Wenn sie gewaltfrei ist und ohne Brüllen daher kommt, steckt in der Wut viel Kraft und viel Potential, Menschen in Klarheit zu bringen und bei Ungerechtigkeiten aufzustehen.

Was wünscht Du zum Abschied dem Kirchenkreis und den Gemeinden? 

Ich wünsche mir, dass Mitarbeitende und Dienststellenleitungen miteinander im Gespräch bleiben und die Bedürfnisse aller Beteiligten gesehen werden. Die Arbeitsverhältnisse werden sich in Zukunft anders gestalten: Wie gelingt es, Mitarbeitende nicht zu überlasten und wie entstehen Freiräume, damit ein Teamgeist lebendig bleibt? Wo und wie kommt Kirche in Zukunft in unserer Gesellschaft vor? Für mich war und ist es inmitten der äußeren Bedingungen ein Anliegen, Menschen so zu unterstützen, dass sie in ihrer Arbeit aufblühen.

Verrätst Du uns Dein Lieblingsmotto?

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir für diese Welt wünscht“ – von Mahatma Gandhi.

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