Achtung: Die Pilgerreise für 2019 ist bereits ausgebucht. Wir hoffen sehr, auch 2020 wieder eine Pilgerreise auf dem Camino anbieten zu können. Darüber werden wir ggf. rechtzeitig informieren. 

Erlebnisbericht: Auf dem Jakobsweg bis Finisterre

Drei Jahre lang war ich mit Gruppen von 14-20 Erwachsenen auf dem Camino francés, dem spanischen Jakobsweg unterwegs: 2014 von St. Jean Pied de Port am Fuß der Pyrenäen bis nach Burgos, 2015 durch die Meseta über Leon und Astorga bis zum Cruz de Ferro und im Mai 2016 über Santiago de Compostela bis Finisterre am Atlantik. Was war das Besondere daran, diesen alten Weg zu gehen, an dessen Ende einen die Legende vom Jakobusgrab erwartet? Manches Mal durch menschenleere Landschaft, ein andermal an belebten Straßen entlang, mal bei Sonne, dann bei peitschendem Regen? Über zwanzig Kilometer jeden Tag.

Die Antwort ist einfach: Weil es die Pfade gibt. Als Wege, die verschiedenste Ecken Europas verbinden. Seit Jahrhunderten sind Menschen aufgebrochen. Sie nehmen eine Auszeit. Unterbrechen ihren Alltag. Mit Rucksack und Pilgerstab. Voller Hoffnung. Quälerei denken die einen, in sich hinein horchen, sagen die andren. Der Weg ist das Ziel: nach Santiago de Compostela im spanischen Galizien. Und dann ans „Ende der Welt“ am rauschenden Atlantik.

Jakobsweg. Enorm beeindruckende Landschaft: die Farben des Ginsters, des Klatschmohns, der Kornblumen, wilder Lavendel, dazu die Liebe der Spanier zu Rosen und Calla gemischt mit den Brauntönen von Äckern, Rinden und Lehm oder dem unterschiedlichen Grün der Felder! Vorbei an verwunschenen kleinen Weilern und bedeutenden romanischen Klöstern und Kirchen. Gemeinsam Unterwegs-Sein mit anderen Pilgerinnen und Pilgern. Sich über Gott und die Welt unterhalten. Freundschaften schließen. Zusammen essen, singen, lachen und zusammen Wäsche waschen.

Menschen unbefangen begegnen. Sich gegenseitig unterstützen. So sollte es immer sein. Pilgern heißt Sich-Auf-den-Weg-Machen. Vertrautes hinter sich lassen und Neuland betreten. Mit einem Ziel vor Augen. Keine Hetze, kein Getrieben-Sein von Terminkalender und Telefon. Nicht auf der Überholspur. Pilgern bedeutet, sich für Dinge um sich herum Zeit nehmen: Beobachten und Bewahren. Wahrnehmen all dessen, was um mich herum ist. Sich Zeit-Nehmen für das Schöne in unserer Welt. Und Bauwerke voller Geschichte besuchen und studieren. Der Weg ist das Ziel.

Uli Seegenschmiedt