Musik zwischen Leben und Tod

Musik zwischen Leben und Tod


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Datum der Veröffentlichung Veröffentlicht am Mittwoch, 14. Oktober 2020, 10:09 Uhr
Musik zwischen Leben und Tod

PRESSEMITTEILUNG
Das Projekt „Lebensmelodien“ macht jüdische Musik, die von 1933 bis 1945 komponiert wurde, deutschlandweit bekannt.

Berlin, 14.10.2020: „Lebensmelodien“ heißt die Programmreihe, welche Musik von jüdischen Komponistinnen und Komponisten insbesondere aus der Zeit des Holocaust deutschlandweit zur Aufführung bringt. Die auf zwei Jahre angelegte Reihe startet am 8. November 2020 in der Berliner Apostel-Paulus- Kirche. Sie umfasst bis zum Ende 2022 zehn Konzerte sowie die Forschung und Recherche zu jüdischen Komponistinnen und Komponisten, deren Leben und Werk umfassend aus weltweiten Archiven rekonstruiert wird. Viele der Melodien und Kompositionen werden nach über 75 Jahren erstmalig erklingen. Entstanden sind diese in den unmenschlichsten Situationen der Verfolgung und Ermordung von 1933 bis 1945. Die Musik half den Menschen in den Ghettos und Lagern zu überleben – oder von dieser Welt Abschied zu nehmen.

„Das Projekt ‚Lebensmelodien‘ verleiht diesen jüdischen Werken nach einer langen Zeit der Stille eine Stimme“, sagt Juni Hoppe, Projektleiterin der „Lebensmelodien“. Das Wissen um die Verfolgung der Juden, um den Holocaust und die in dieser Zeit entstandene Musik, wird in den „Lebensmelodien“ musikalisch wie biografisch aufbereitet und in Konzerthäusern, Kirchen und Synagogen sowie an weiteren Orten in Deutschland erklingen.

Zahlreiche Kompositionen und ihre Entstehungsgeschichte sind dabei erhalten geblieben, wie beispielsweise auch die Werke von Shmuel Blasz und Shmuel Lazarovich. Beide Komponisten waren befreundet und wurden in ein ungarisches Arbeitslager gezwungen. Die Werke von Blasz sind erhalten, weil Lazarovich das Lager überlebte und die Musik seines Freundes aufbewahrte und an die nächste Generation weitergab.

In den „Lebensmelodien“ verbindet sich das musikalische Werk mit den Lebensgeschichten. „Wir erzählen die Geschichten hinter den Melodien und bringen die verschiedenen Ebenen, wie beispielsweise die private jüdische Identität in der Wechselwirkung mit der kollektiven jüdischen Identität zusammen mit dem Dritten, der Kultur ihrer Umwelt“, beschreibt der künstlerische Leiter Nur Ben Shalom das Konzept dieser außergewöhnlichen Reihe. Neben der konzertanten Aufführung von jüdischen Kompositionen aus der Zeit von 1933 bis 1945 wird die Vermittlung und Weitergabe der Musik auch ganz praktisch bei einem Chortag in Berlin geprobt sowie in Kooperationen mit Schulklassen weiter gegeben.

„Als interreligiöse Kooperation und mit den Mitteln der Bildung und Musik kämpfen wir gemeinsam gegen den sich verstärkenden Antisemitismus in Deutschland“, sagt Superintendent Michael Raddatz Leiter der „Grenzgänge“. Projektleiterin Martina Steffen-Elis betont: „Mit den Lebensmelodien wollen wir das jüdische historische und kulturelle Kontinuum in Deutschland und Europa aufzeigen“.

In der Kooperation „Grenzgänge“ haben sich 2018 die Alhambra Gesellschaft, die Ev. Akademie Berlin, der interreligiöse Dialog der EKBO, sowie die Apostel-Paulus-Kirchengemeinde Berlin-Schöneberg und der Ev. Kirchenkreis Tempelhof- Schöneberg zusammengeschlossen. Ihr Projekt „Lebensmelodien“ wird seit 2020 vom Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Dr. Felix Klein, gefördert.

www.ts-evangelisch.de/lebensmelodien Weitere Informationen Cornelia Schwerin, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, mobil: 0176. 22 11 47 40, schwerin@ts-evangelisch.de, lebensmelodien@ts-evangelisch.de