Der Mauerfall bewegt : Videoreihe zur Friedlichen Revolution gestartet

Der Mauerfall bewegt : Videoreihe zur Friedlichen Revolution gestartet


# Aktuelles
Veröffentlicht am Samstag, 21. September 2019, 23:05 Uhr

Mit einer Pressekonferenz ist die Videoreihe Glaube.Liebe. Revolution am vergangenen Donenrstag gestartet. Das Videoprojekt eröffnet einem jungen Publikum Zugänge zur Friedlichen Revolution und dem Mauerfall im gemeinsamen Projekt des Ev. Kirchenkreises Tempelhof-Schöneberg und der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. erzählen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sehr persönliche Geschichten, in denen sich  mitten im politischen Weltgeschehen der persönliche Mut und die Überwindung von Angst wiederspiegeln.  

In elf Videos unter der Moderation der 32-jährigen Pfarrerin Theresa Brückner kommen unbekannte wie prominente Zeitzeugen aus Ost und West zu Wort und schildern ihre Erlebnisse einem Publikum, das diese Ereignisse  wenig oder bestenfalls aus dem Geschichtsunterricht oder als Familiengeschichte kennt. Entstanden ist eine facettenreiche Videoreihe, die auch die oppositionelle Vorgeschichte – am Beispiel der Berliner Umweltbibliothek - aufnimmt und bedeutende Stationen der friedlichen Revolution wie die Ereignisse rund um den 9. Oktober in Leipzig und den Mauerfall  zeigen. Vier Videos widmen sich Zeitzeugen aus Tempelhof-Schöneberg, die ihre Eindrücke von der Friedlichen Revolution schildern und auf diese Weise die Erinnerung westperspektivisch erweitern. 

Bis zum 11. November werden die Videos wöchentlich, immer donnerstags um 19 Uhr, unter den Social Media Kanälen der Konrad-Adenauer-Stiftung und den Kanälen von Theresa Brückner „theresaliebt“ veröffentlicht. „Die sozialen Medien und besonders YouTube sind für junge Menschen, erste Anlaufstelle und Informationsquelle - gerade dort darf der Mauerfall und die friedliche Revolution nicht fehlen“, erklärt Theresa Brückner, Pfarrerin für die digitale Kirche im Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg. „Die Geschehnisse rund um den Mauerfall wirken noch in Familiengeschichten oder Biografien bis heute nach“, betont sie. Brückner verweist auch auf die Instrumentalisierung der Friedlichen Revolution durch die AfD und will „klare Zeichen setzen gegen Geschichtsrevision. Dabei hilft unser Videoprojekt und es stärkt unsere demokratische Gesellschaft.“    

Bei der heutigen Pressekonferenz erinnerte Michael Raddatz, Superintendent des Kirchenkreises Tempelhof-Schöneberg an die Demokratie fördernde Rolle der evangelischen Kirche schon vor dem Herbst 1989: „Die Ev. Kirche hat sich damals geöffnet für nichtkirchliche Initiativen wie die Umweltbibliothek und ihnen unter dem Dach der Kirche Raum und Schutz geboten. Durch eigene demokratische Strukturen, beispielsweise durch Kirchenparlamente und Synoden, konnten Menschen mitten in der Diktatur demokratische Strukturen erleben“, betont er.     

Tom Sello, Beauftragter für die Aufarbeitung der SED-Diktatur im Land Berlin, schilderte die Macht der Bilder und nannte Aram Radomskis Filmaufnahmen am 9. Oktober in Leipzig „ein Signal, das in die ganze DDR ging.“ Er erinnerte auch an den offiziellen Antrag von Jutta Seidel und Bärbel Bohley auf Zulassung der oppositionellen Bürgerbewegung Neuen Forum, der genau heute vor 30 Jahren gestellt wurde. „Das war unerhört. In der DDR waren keine systemkritischen politischen Vereinigungen erwünscht“, erklärte Tom Sello die Hintergründe dieser ersten ostdeutschen Bürgerbewegung.  

Dominik Grobien, Leiter der Kommunikation bei der Konrad-Adenauer-Stiftung, erinnert an die besondere Verantwortung, die von der historischen Erfahrung zweier deutscher Diktaturen im 20. Jahrhundert geprägt ist. „Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und seit 1990 mit der SED-Diktatur in der DDR bildet den zentralen Bezugspunkt der bundesdeutschen Erinnerungskultur“, betonte er. Die Konrad-Adenauer-Stiftung habe das Videoprojekt unterstützt, weil es einen Beitrag leistet zum Wachhalten der Erinnerung an den Mut der vielen einzelnen Menschen, ohne den sie nicht möglich gewesen wäre und der nötig war, um diese zweite Diktatur zu beenden. „Nur wenn auch die nachfolgenden Generationen die Vergangenheit kennen, können sie entscheiden, was es zu verhindern und was zu bewahren gilt“, betonte Dominik Grobien.

Foto: Michael Volz