Veröffentlicht am Do., 10. Jan. 2019 09:46 Uhr

Am 27. Januar, dem Tag der Befreiung von Auschwitz, und dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust findet in der Apostel-Paulus-Kirche um 17 Uhr eine Gedenkveranstaltung statt. „Wir erinnern an die Opfer der Shoah“, sagt Superintendent Michael Raddatz. „Gerade in der gegenwärtigen Zeit, in der sich der Antisemitismus wieder verstärkt zeigt, müssen wir vom Holocaust berichten und den Anfängen wehren. Es ist unsere Verantwortung dafür zu sorgen, dass die Erinnerung nicht endet“, betonte der Superintendent.   

Im Zentrum der Gedenkveranstaltung stehen ausgewählte Biografien, die vorgestellt werden. Beispielsweise die Biografie des Berliners Klaus Seckel, der 1937, mit neun Jahren, von seinen Eltern in ein niederländisches Kinderheim der Quäker geschickt wurde, um unbelastet von Diskriminierungen aufwachsen zu können. Zum letzten Mal besuchen konnte Seckel seine Eltern in den Schulferien 1939. Im Herbst 1944 begegnete er ihnen noch einmal in Theresienstadt, bevor er nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurde. Dort verliert sich seine Spur im Frühjahr 1945.

Außerdem wird Zeitzeugin Rahel R. Mann zu Wort kommen. Während der Nazizeit wurde sie als Kind von verschiedenen Familien aufgenommen und vor Verfolgung geschützt. Der damalige Pfarrer der Apostel-Paulus-Gemeinde und Mitglied der Bekennenden Kirche, Eitel-Friedrich von Rabenau nahm sie eine Zeitlang bei sich auf. Die letzten Monate bis zum Kriegsende überlebte Rahel R. Mann in einem Keller versteckt. 

Im Rahmen der Veranstaltung wird auch der thematische Schwerpunkt für 2019 Hinter der Kamera − Jüdische Fotografinnen“  vorgestellt. Die sich In der Weimarer Republik rasant entwickelnde Fotografie wurde gerade für junge Frauen zu einem wichtigen Medium und bot ihnen  ein offenes und künstlerisches Betätigungsfeld. In der Dauerausstellung WIR WAREN NACHBARN, die Biografien jüdischer Zeitzeugen seit dreißig Jahren dokumentiert, liegt bereits ein Album der jüdischen Fotografin Gisèle Freund aus. Zwei neue biografische Alben widmen sich den bekannten Fotografinnen Eva Kemlein (1909−2004) und Else Ernestine Neuländer-Simon (1900−1942), die an diesem Tag vorgestellt werden.

Die Gedenkveranstaltung wird initiiert durch das Berliner Ausstellungsprojekt WIR WAREN NACHBARN, das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V. sowie die Deutsch-Israelische Gesellschaft Berlin und Brandenburg e.V. Der Eintritt ist frei. 

Sonntag, 27. Januar 2019, 17.00 Uhr    
Apostel-Paulus-Kirche
Grunewaldstraße/Ecke Akazienstraße, 10823 Berlin

Foto: Manfred Brückels - CC BY-SA 2.0 de, Wikimedia common

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