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Brief der Kirchenasyl-Konferenz

Brief der Kirchenasyl-Konferenz


# Aktuelles
Datum der Veröffentlichung Veröffentlicht am Montag, 26. September 2022, 15:07 Uhr
Brief der Kirchenasyl-Konferenz

Seit einiger Zeit organisiert die BAG Asyl in der Kirche e.V. Online-Austauschtreffen für Menschen, die im Kirchenasyl sind oder waren. Aus der Runde entstand die Idee, sich einmal „in echt“ zu treffen, was mit freundlicher Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Mitteln aus der Kunstaktion der Flüchtlingsbeauftragten der EKBO realisiert werden konnte. Die 21 Teilnehmenden aus verschiedenen Bundesländern tauschten sich über ihre Erfahrungen im Kirchenasyl aus, produzierten mehrsprachige Videos und Informationstexte zum Kirchenasyl für geflüchtete Menschen, die neu nach Deutschland kommen und besuchten geschichtsträchtige Orte in Berlin. Außerdem entstand folgender Brief an die Kirchen:

„Liebe Mitmenschen, Aktive in Kirchengemeinden, kirchliche Mitarbeitende, Pfarrer*innen, Ordensleute,

Wir wenden uns in Dankbarkeit und mit einer Bitte an Sie. Wir schreiben diesen Brief von unserer Kirchenasyl-Konferenz vom 28.-31. Juli in Berlin.  Wir haben alle im Kirchenasyl Schutz vor einer Dublin-Abschiebung erfahren. Außerdem haben wir im Kirchenasyl viel Gutes erfahren und viel gelernt.

Nach der Europäischen Dublin-III-Verordnung ist das Land der Ersteinreise zuständig für den Asylantrag. Das können Länder wie Bulgarien, Italien, Rumänien, Polen und weitere sein. Wir verstehen, dass es schön sein kann, diese Länder als Tourist zu besuchen. Unsere Erfahrungen dort als Flüchtlinge, die nicht aus Europa kommen, waren schrecklich. Unter dem Vorwurf der illegalen Einreise wurden wir kriminalisiert, unmenschlich behandelt, inhaftiert. Wir erlebten Polizeigewalt, bekamen Bewährungsstrafen allein für unsere Anwesenheit und hatten keinerlei Zukunft.

Nachdem wir es nach Deutschland geschafft hatten, wurde uns gesagt, dass wir im Rahmen der Dublin-Verordnung in eben diese Länder abgeschoben werden sollen. Laut der Verordnung hat der deutsche Staat dafür sechs Monate Zeit. Danach hätten wir das Recht, hier einen Asylantrag zu stellen. Wir haben Freunde und Familienmitglieder auf dem Weg nach Europa verloren. Wir haben alles riskiert.  Wir machen das, weil wir keine andere Option hatten.

Jede evangelische, katholische und frei-kirchliche Gemeinde in ganz Deutschland kann Flüchtlinge ins Kirchenasyl aufnehmen. Es gibt regionale Ansprechpartner und Beratungsstellen von Caritas und Diakonie, die die Kirchen dabei unterstützen. Die Kirchen, die das bereits machen, haben aber mehr Anfragen als Kapazitäten. Es ist wie ein Stau vor ihrer Tür. Daher appellieren wir an Sie, ihre Räume für die Flüchtlinge, die nach uns kommen, zu öffnen.

Wir, die diesen Brief an Sie schreiben, unterhalten uns heute über unsere Arbeit, unsere Ausbildung, unser Studium, unsere Praktika. Wir sind nicht mehr „nur Flüchtlinge“ und sehen unserer selbstbestimmten Zukunft in diesem Land entgegen. Das war nur durch Kirchenasyl und die dort entstandenen Kontakte möglich. Die Flüchtlinge, die neu nach Deutschland kommen, leben am Anfang in einer Art Parallelwelt. Durch das Asyl- und Lagersystem haben wir kaum Kontakt zu deutschen Menschen. Wir brauchen aber Ihre Hilfe. Wir brauchen einen Ort, an dem wir die Dublin-Frist überstehen können. Dann können wir unsere Zukunft selbst zu gestalten. Um es mit einem Bild zu sagen: Kirchenasyl ist wie ein Schwan, der seine Jungen sicher von der einen Seite auf die andere Seite des Sees bringt.“

Rückfragen zum Kirchenasyl beantworten unsere Beauftragten für Flucht und Integration, Claudia Eichhorst und Mounain Katir